Einkommensunterschiede
80 Prozent der Personen, deren Einkommen über der Höchstbeitragsgrundlage (2009: € 4.020,- im Monat) liegt, sind Männer.
Wesentliche Ursachen:
Die wesentlichen Ursachen für geschlechtsspezifische Einkommensunterschiede sind- Schul- und Berufswahl
- Karriereknick infolge Karenzzeit und Kinderbetreuung
- Benachteiligungen bei Einstufung, Aufstieg und Qualifizierungen
Schul- und Berufswahl:
- Österreich gehört zu den Industriestaaten mit besonders ausgeprägten geschlechtsbezogenen Unterschieden hinsichtlich Schul- und Berufswahl, das heißt, Mädchen und Frauen konzentrieren sich stark auf traditionell „weibliche" Ausbildungswege und entscheiden sich selten für eine Ausbildung im Bereich Technik, Mathematik, Naturwissenschaften und Informatik.
- Mädchen stellen nur ein Viertel der SchülerInnen technischer und gewerblicher höherer Schulen; in den wirtschaftsberuflichen höheren Schulen (den ehemaligen Schulen für wirtschaftliche Frauenberufe) stellen Mädchen hingegen mehr als 90 Prozent der SchülerInnen.
- Die Einkommensunterschiede zwischen den Geschlechtern sind auch darauf zurückzuführen, dass Frauen überwiegend in Branchen mit niedrigem Einkommensniveau beschäftigt sind. Zwei Drittel der arbeitslosen Frauen kommen aus vier frauendominierten Berufsgruppen (Büro, Fremdenverkehr, Handel, Reinigung).
Karriereknick infolge Karenzzeit und Kinderbetreuung: Bei Männern steigt das Erwerbseinkommen aufgrund kontinuierlicher Erwerbstätigkeit stetig an. Bei Frauen hingegen zeigt die Einkommensentwicklung einen deutlichen Einbruch im Alter zwischen 30 und 39 Jahren. Zurückzuführen ist dies auf mehr oder minder lange Unterbrechungen der Erwerbsarbeit wegen Kinderbetreuung. Diese sind so gut wie immer mit Einkommenseinbußen beim beruflichen Wiedereinstieg verbunden. Verantwortlich dafür sind auch die beruflichen und betrieblichen Rahmenbedingungen (z.B. Kollektivverträge und Betriebsvereinbarungen).
Innerbetriebliche Benachteiligungen (Einstufungen, Zulagenregelungen, Aufstiegschancen):
- Frauen haben deutlich weniger Aufstiegschancen. In höheren bis führenden Positionen sind Frauen noch immer eine Minderheit.
- Eine Erhebung der Arbeiterkammer in den 200 größten österreichischen Unternehmen zeigt: Der Frauenanteil in der Geschäftsführung der Unternehmen beträgt 4,6 Prozent, von den Aufsichtsratsmandaten entfallen neun Prozent auf Frauen.
- Dass Frauen dermaßen geringe Aufstiegschancen haben, ist nicht zuletzt darauf zurückzuführen, dass sie bereits beim Berufseinstieg meist unter ihrem Qualifikationsniveau eingestuft werden. Auch bei gleichem Qualifikationsniveau haben Frauen keineswegs die gleichen Chancen: Von den männlichen Maturanten sind nur 11 Prozent als mittlere Angestellte tätig, 48 Prozent arbeiten als höhere Angestellte und 19 Prozent sogar als hochqualifizierte/ führende Angestellte. Von den Maturantinnen hingegen sind 45 Prozent als mittlere Angestellte tätig, 25 Prozent als höhere Angestellte und nur 5 Prozent als hochqualifizierte/ führende Angestellte. Ähnlich ist es bei den AkademikerInnen. Während von den Akademikern 56 Prozent als hochqualifizierte/ führende Angestellte tätig sind, sind es von den Akademikerinnen nur 18 Prozent.
- Die innerbetriebliche Benachteiligung ist eine unmittelbare Folge einer systematischen, wenn auch oft unbewussten, weil fast selbstverständlichen Minderbewertung von Frauen und deren Leistungen in einer Männergesellschaft